Die Entwicklung der deutschen Radiotechnik




Bericht, Fotos u. Abbildungen: Gerd Krause





Der große AEG-Fünfröhren-Dreikreiser Geadyn BL von  1926  zählt zu den gesuchtesten Sammlerstücken.
Unter einer Klappe sitzt ein Mittelwellen-Spulenkasten, der gegen einen  Langwellensatz  ausgewechselt werden kann.

LW, MW / Batteriebetrieb / Röhren: 4x RE064, RE154 / Preis ca. 370 RM
Foto: Helmut Schrammel



1925 Erste Batterie-Röhrengeräte
1928 Erste Netz-Röhrengeräte
1930 Netzempfänger mit eingebauten Lautsprecher
 
Erste Superempfänger
1932 Schwundregelung durch Regelröhren
1933 Erster Volksempfänger "VE 301"
1937 Einführung des Magischen Auges
1946 Erstes Nachkriegsradio von Telefunken
1947 Anfang der Fa. Grundig mit dem Bausatz "Heinzelmann"
1949 Beginn des UKW Rundfunks
1958 Erste Transistorgeräte
1966 Erste Stereosendungen



Am 29. Oktober 1923 wurde in Berlin aus dem Vox-Haus mit einem 1 kW Sender das erste Radioprogramm gesendet. Schon mitte der zwanziger Jahre existierten in vielen grösseren Städten Deutschlands starke Sender mit einer Leistung von etwa 15 kW. Mit einfachen Detektorempfängern war in Sendernähe ein guter Empfang möglich. Wer jedoch eine gute Antennen besass, konnte auch weiter entfernte Sender problemlos empfangen. Das suchen der besten Gleichrichtung auf dem Detektorkristall war eine abenteuerliche Sache. Aber es funktionierte.





Weil damals, im Vergleich zu Heute, nur wenige Sender in der Luft waren, spielte die schlechte Trennschärfe einfacher Detektorgeräte eine untergeordnete Rolle. Bis Ende der zwanziger Jahre gab es die verschiedensten Konstruktionen von Detektorempfängern. Man baute Geräte mit 2 und 3 fachen Spulenkopplern, Spulenumschaltern sowie Variometern die an einer guten Antenne recht leistungsfähig waren. Auch gab es die unterschiedlichsten Kristallsorten für den Detektor.



Ebenfalls Ende der Zwanziger gab es schon die ersten Batterie-Röhrengeräte. Zuerst ersetzte man den Detektor  durch eine Audion-Röhre, wodurch das lästige "fummeln" entfiel. Das war bereits ein grosser Schritt. Später benutzte man auch Röhren für die Hoch und Niederfrequenzverstärkung. Einige teuere Geräte hatten sogar einen Lautsprecher. In der Anfangszeit musste man die Anoden und Heizbatterien dieser Geräte beim Apotheker oder Drogist aufladen lassen. Anfang der Dreissiger Jahre baute man dann Radios für Netzbetrieb, mit speziell dafür entwickelten Röhren. Ein weiterer grosser Schritt waren dann die "Super Empfänger". Es wurden ware Luxusgeräte gebaut, die zum Teil 10-15 Röhren hatten. Bei allen Geräten war auch der Lautsprecher mit im Gehäuse. Eine weitere Besonderheit war das 1937 aus den USA eingeführte "Magische Auge", wodurch die Abstimmung der trennscharfen Superempfänger erleichtert wurde.



In der Zeit des Nationalsozialismus bekam der Rundfunk durch die bekannten Volksempfänger einen riesigen Aufschwung. Sie wurden in allen 28 deutschen Rundfunk Apparate Fabriken gebaut, denn jeder sollte den Führer zuhören können. Die Volksempfänger waren einfache Rückkopplungs Empfänger mit 2 oder 3 Röhren. Es gab sie für Wechselstrom, Gleichstrom und Batteriebetrieb (siehe Schaltung). Der damalige Preis lag zwischen 35 u. 76 Reichsmark. Die inzwischen zahlreichen grossen Deutschen Sender sorgten für einen störungsfreien Empfang. Während der Nazi Zeit wurde das abhören Ausländischer Sender hart bestraft. Nach dem zweiten Weltkrieg ging es mit der Deutschen Rundfunkindustrie erst sehr langsam wieder bergauf. Da fast alle Fabriken noch in Schutt und Asche lagen, war es schwer an die nötigen Bauteile heranzukommen. Der Grundstein der Firma Grundig wurde mit dem 2 Röhren Radio Bausatz "Heinzelmann" gelegt, mit dem die Firma 1947 ihren ersten grossen Erfolg hatte.



Durch den Kopenhagener Wellenplan wurde Deutschland 1949 bei der Vergabe der Sendefrequenzen sehr benachteiligt. Man musste sich etwas einfallen lassen. So wurde Anfang der Fünfziger Jahre die Ultra Kurz Welle (UKW) eingeführt. Die neuen Sender entstanden sehr schnell und auch die Rundfunkindustrie erlebte einen neuen Aufschwung. Begriffe wie Hi-Fi, Stereo u.s.w. sind uns allen bekannt. Deutsche Radios waren wieder in der ganzen Welt begehrt. Heute ist es für uns eine Selbstverständlichkeit den Lieblingssender selbst mit dem billigsten Radio einwandfrei zu empfangen. Was jedoch für eine lange Entwicklungsgeschichte dahinter steckt, wird erst dem bewusst, der einmal mit einem Detektorempfänger aus der Anfangszeit auf Sendersuche geht.

Bericht: Gerd Krause


  
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