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Sender Osterloog:
Ein spannendes Kapitel Radiogeschichte |

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Langsam, aber mit einem unheimlich tönenden
Heulen stürzte am 8. November 1997 um
11:07 Uhr, in Osterloog der 133 Meter
hohe Sendefunkmast der Küstenfunkstelle Norddeich
Radio zu Boden und grub sich fast einen Meter tief
in das Erdreich ein. Die Abbruchfirma hatte ganze
Arbeit geleistet. Bis zum Jahresende 1997 stellte Norddeich
Radio den Betrieb an diesem Standort ein und konzentriert
sich ganz auf neue Aufgaben in dem benachbarten Ort
Utlandshörn. Das Gelände, die Gebäude und
die noch verbliebenen kleineren Masten werden aufgegeben.
Mit dem Sturz des mächtigen Turms in Osterloog
endete zugleich für immer ein spannendes, ganz
eigenständiges Kapitel Radiogeschichte in Ostfriesland,
das zwei Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg begann.
Der Ursprung führt
zurück in das Jahr 1937, wie der heute
in Aurich im Ruhstand lebende Diplomingenieur Hans-Heinrich
de Joung in einer kleinen Dokumentation zur Geschichte
des einstigen Grossrundfunksenders schreibt. Im Auftrag des
von den Nationalsozialisten beherrschten Deutschen
Reiches erwarb die damalige Reichspost in Osterloog ein rund
23 Hektar grosses, wenige hundert Meter vom Nordseedeich
entfernt gelegenes Gelände für den Aufbau einer
gleichnamigen Sendefunkstelle. Ein Jahr später wurde
mit den Bauarbeiten für das Hauptgebäude, den Quertrakt,
das Maschinenhaus und die Richtstrahlantennen begonnen.
Im Sommer 1939 waren die Arbeiten beendet.
Der Sender hatte eine Trägerleistung
von 100 Kilowatt. Die gebündelte
Energie wurde in eine Richtantennenanlage eingespeist, die auf Mittelengland
ausgerichtet war und nach Zeitzeugenberichten von
damals in einer Stärke
von 900 Kilowatt dort ankam (später auch mit
Rundstrahlung betrieben). Die Antennenanlage
bestand laut de Joung anfangs aus
zwei über Koaxialkabel gespeisten Masten
von 150 Metern Höhe sowie aus je vier 120 Meter hohen
sogenannten Reflektoren und Direktoren. Die Sendeeinrichtung war
für den Mittelwellenbereich von 400 bis 1060 Kilohertz ausgelegt.
Die Stromversorgung bestand aus einer Umspannstation
und einer Netzersatzanlage mit einem Dieselmotor und Generator.
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Netzersatzanlage mit einem 960 PS
Schiffs -
Dieselaggregat und einem 750 kVA Generator |
Antennen - Abstimmhaus
Im Hintergrund der Kühlturm
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Anfang Oktober 1939 übernahm
die Oberpostdirektion Oldenburg die Einrichtungen
in Osterloog und unterstellte sie formell der einigen
Kilometer entfernten Küstenfunkstelle
(Hauptstelle) Norddeich-Radio. Unter der Bezeichnung
"Studioanlage der Versuchssendeanlage N" ("N" vermutlich
für Norddeich) begannen am 5. Oktober erste Probesendungen.
Es kann als sicher angenommen
werden, dass die Anlage in Osterloog von
Beginn an im Rahmen der deutschen Kriegsvorbereitungen
errichtet wurde. Allerdings wurde damals
und später auch behauptet, dass der Sender ursprünglich
Werbesendungen eines in Grossbritannien ansässigen
Unternehmens nach England ausstrahlen sollte.
Die Frage ist, ob diese Vermutung in Wirklichkeit nicht genau so ein Täuschungsmanöver war wie der Sendestart in Osterloog, der am 24. November 1939, rund drei Monate nach Beginn des von Deutscher Seite entfesselten Zweiten Weltkrieges, offiziell erfolgte. Der Sender an der Ostfriesischen Waterkant nahm seinen Betrieb unter dem Namen "Bremen" auf, um dem Gegner den tatsächlichen Standort aus Gründen der Tarnung zu verheimlichen. Nicht einmal die Hörer im unmittelbaren Umland wurden aufgeklärt. Ende Novenber 1939 erschien im Ostfriesischen
Kurier lediglich eine kurze, verschlüsselte
Mitteilung, in der es hiess,
dass seit dem 24. November
ein "neuer Sender Bremen"
( gemeint war Osterloog) auf der Mittelwelle 395,8 Meter (vorher Kattowitz) zu empfangen sei. Der bisherige Sender Bremen (damals ein Nebensender des sogenannten Reichssenders Hamburg) habe deshalb seinen Namen geändert und sei in "Unterweser" umbenannt worden. Über Art und Inhalt
der über den so bezeichneten Grossrundfunksender Osterloog
ausgestrahlten Programme enthalten die vorhandenen, sehr verstreuten
Quellen leider einige widersprüchliche Angaben. In einigen
ist von "deutschen Sendungen für ganz Nordwesteuropa",
in anderen von "deutschsprachigen", aber auch von
"ausschliesslich fremdsprachigen" Propaganda-Sendungen
die Rede. Die Wahrheit liegt liegt in der Mitte.
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Der 100 kW Mittelwellensender
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Der Senderraum mit Schaltpult
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Osterloog strahlte seit Herbst 1939 das deutschsprachige Programm des Reichssender Hamburg (ab 1940 das Einheitsprogramm aller deutschen Reichssender) aus - allerdings von Anfang an durchsetzt mit englischsprachigen Propaganda-Beiträgen an die Adresse des Kriegsgegners. Die Sender Hamburg und Köln hatten sie bereits seit März ins Programm aufgenommen. Es handelte sich vorwiegend um Nachrichten und Kommentarsendungen, die allerdings nicht in Hamburg, sondern in Berlin produziert und von dort nach Osterloog übermittelt wurden. Auf jeden Fall war Osterloog (unter militärischer
Bewachung mit Flakschutz) während der ganzen Kriegszeit
auf England ausgerichtet und dort gut zu
empfangen. Doch auch in Ostfriesland und angrenzenden
Bereichen war der Grossrundfunksender gut hörbar,
im unmittelbaren Umfeld sogar übermässig.
Ein Norder Ohrenzeuge erinnerte sich später, dass die Feldstärke im Herbst 1939 alle anderen Sender auf den Rundfunkgeräten überdeckte und den Fernempfang nahezu unmöglich machte. Sie veränderte sich lediglich, wenn man an den Einstellknöpfen drehte. Zitat: "Bei uns in Norden reichte die Feldstärke des Senders für einen - wenn auch leisen - Lautsprecherempfang mit einem Detektorempfänger aus. Ich hatte später eine solche Kombination auf meinem Nachttisch stehen und hörte damit abends vor dem Einschlafen noch deutschsprachige und Musiksendungen. Auch der bis 1943 und nach dem Krieg in Osterloog tätige und heute in Kiel lebende frühere Sendetechniker Georg Martens erinnert sich, dass deutschsprachige Sendungen mit eingeblendeten englischsprachigen Propaganda-Beiträgen ausgestrahlt wurden. Aus Tarnungs- und anderen Gründen sei während des Krieges immer wieder die Sendefrequenz gewechselt worden. Man sei zum Beispiel häufig auf die Wellenlängen der fernen Sender Königsberg oder Breslau gegangen. Ausserdem wurde jede Stunde eine sogenannte Tastung eingeblendet, die den von Bombenangriffen aus England zurückkehrenden deutschen Flugzeugen als Orientierungshife diente. Und schliesslich sei Osterloog auch als Störsender gegen die Londoner BBC eingesetzt worden, indem man dieselbe Frequenz benutzte. In Upgant Schott befand sich eine entsprechende Empfangsstation. Ab März 1942 bildete Osterloog zusammen mit den Sendern Hamburg und Langenberg vorübergehend die Norddeutsche Gleichwelle, das heisst, diese drei Sender an unterschiedlichen Standorten strahlten auf der gleichen Welle das gleiche Programm aus, was in Überschneidungsgebieten die Empfangsqualität stark beeinträchtigte. Es bestand zu diesem Zeitpunkt weitgehend aus einem Einheitsprogramm aller deutschen Reichssender - nach dem Willen des Reichspropagandaministers Joseph Göbbels. Daneben gab es auf Langwelle den in Berlin / Königswusterhausen stationierten Deutschlandsender mit einem eigenen Programm. Ausschliesslich für das Ausland bestimmt war der bereits seit Anfang der dreissiger Jahre bestehende Deutsche Kurzwellensender mit vorwiegend fremdsprachigen Programmen. Ferner gab es unter dem Gesamtbegriff "Concordia" sogenannte "schwarze" Geheimsender an verschiedenen Standorten. Sie entfalteten ihre Aktivitäten auf stets wechselnden Wellenlängen und von fahrbaren Sendern aus |
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Dieser fahrbare, überall einsetzbare
Sender der früheren deutschen Wehrmacht
- seit 1945 im Besitz der Engländer - wurde nach dem Krieg auch zeitweise in Osterloog eingesetzt. Die Anlage bestand aus mehreren Fahrzeugen Die Konzentration des "Grossdeutschen Rundfunks"
auf deutschsprachige Einheitsprogramme im Inland
hatte unter anderem den Grund, den bei den einzelnen
Reichssendern vorhandenen Mitarbeiterstab im Laufe
des "totalen Krieges" abzubauen und entweder an die
Front zu schicken oder für den Einsatz in
den schon vor Kriegsbeginn gebildeten Propagandakompanien
der Wehrmacht sowie im Auslansfunk zu nutzen.
Was wurde den deutschen Radiohörern im
Einheitsprogramm währed des Krieges
geboten? Die tägliche Zusammensetzung des Wortprogramms
richtete sich nach der Aktualität des Kriegsgeschens.
Das heisst: auf langfristige Programmvorschauen
war praktisch kein Verlass. Das Musikangebot bestand hauptsächlich
aus leichten Unterhaltungssendungen, volkstümlichen
Weisen, Opern und viel Marschmusik. Durch die
Einblendung von täglich bis zu sieben fremdsprachigen
Nachrichtensendungen in die Programme der Reichssender
wurde die Geduld der Hörer ziemlich
strapaziert. Das heisst: Osterloog war nicht der einzige
Sender, der das deutschsprachige Programm
durch fremdsprachige (in diesem Falle englische) Nachrichtenblöcke
unterbrach. Der Reichssender Frankfurt, Stuttgart
und Saarbrücken brachten am 20. August 1939 zweimal abends
auf Mittelwelle Meldungen in französischer Sprache.
In den folgenden Jahren wurden die Fremsprachigen
Programme über Mittelwelle (Reichssender) und über
den deutschen Kurzwellensender immer stärker
ausgebaut, teilweise sogar auf Kosten des Inlandfunks.
Aus Gründen der Unterscheidung erhielt der weltweit
ausstrahlende Kurzwellensender ab Anfang 1943 die Bezeichnung
"Die deutschen Überseesender". Die
für die Propaganda im europäischen Bereich
tätigen Sender trugen bereits seit
April 1941 den Namen "Deutsche Europasender". Auch der Sender
"Bremen" (sprich Osterloog) nannte sich deshalb fortan
Europasender.
Beim verstärkten Einflug englischer und
amerikanischer Bomberverbände in das deutsche
Reichsgebiet wurden den Rundfunksendern - je nach ihrer
geographischen Lage - aus "luftschutztechnischen Erwägungen"
der Wehrmacht sehr häufig längere Sendepausen
verordnet. Manche Strahlungsanlagen stellten in
den Abendstunden und Nachts ihren Betrieb ganz ein. In
einer offiziellen Ankündigung des Einheitsprogramms des "Grossdeutschen
Rundfunks" hiess es im Juni 1940: "Zuweilen spricht unser
Ortssender in einer fremden Sprache, in den Abendstunden verstummt
er und verweist uns auf andere Sender die ihre Sendung fortsetzen;
denn aus Gründen der Reichsverteidigung werden
einige Sender mit Einbruch der Dunkelheit abgeschaltet."
1940 wurde Osterloog um einen zweiten Sender
(genannt "Bremen 2") erweitert, wie Lilian-Dorette Rimmele
in ihrer Dokumentation "Der Rundfunk in Norddeutschland
1933-1945" schreibt. Damit wurden offensichtlich
die technischen Möglichkeiten erheblich
erweitert, um die Sendeanlage an der ostfriesischen
Küste aufgrund ihrer Stärke und Reichweite noch effectiver
und variabler im europäischen Ätherkrieg
jener Jahre einzusetzen. Nach dem Verlust der von Deutschen
besetzten Sender in Holland, Belgien und Nordfrankreich
wurde die Auslandspropaganda ab Herbst 1944 über Osterloog
noch verstärkt. Erst später wurde bekannt,
dass das von hier in Richtung England ausgestrahlte Programm
zu den wirkungsvollsten Propagandawaffen der deutschen Seite zählte.
Umgekehrt gelang es allerdings auch der Londoner British Braodcasting
Corporation (BBC), mit ihrem deutschsprachigen Dienst von England
aus immer mehr Hörer in Deutschland zu erreichen,
obwohl das Abhören ausländischer Sender schon seit
Kriegsbeginn verboten war und mit Zuchthaus oder Konzentrationslager
bestraft wurde.
Die über Osterloog (Bremen) ausgestrahlten
englischsprachigen Nachrichtensendungen, denen
häufig ein Kommentar folgte, wurden laut
Rimmele in Berlin auf Band gesprochen und
dann zur Sendung verschickt. Zu besonderen
Anlässen gab es auch Direktübertragungen. Die
jeweilige Ansage ist vielen Hörern von damals
noch im Ohr: - "Germany calling! Here
are the Reichssender Hamburg, station Bremen".
Zum "Inbegriff" des deutschen Ätherkrieges
gegen England wurde William Joyce, ein gebürtiger Amerikaner,
der in England aufgewachsen und der dortigen Faschistenpartei
beigetreten war. Seine Stimme und sein näselndes Englisch
waren unverwechselbar. Der Londoner Daily Express bezeichnete
seine Sprache als "haw-haw", und so wurde aus William Joyce
schliesslich der "Lord Haw-Haw", dessen Beiträge nach
vorliegenden Quellen täglich "von Millionen Engländern" gehört
wurden und sogar im Parlament häufig zur Sprache kamen. In
den ersten Kriegsjahren nutzte Joyce die Unzufriedenheit vieler
Arbeitnehmer mit der Regierung. Der britische Rundfunk BBC
sah sich sogar veranlasst, einen Ausschuss einzusetzen, um
zu untersuchen, wie "gross die Gefahr der Sendungen dieses Mannes"
sei und was man dagegen zun könne. Kurz nach dem Kriege
wurde Joyce von den Engländern aufgegriffen und zum Tode
verurteilt.
![]() Der 100kW Sender in der damals üblichen offenen Bauweise Als einige Monate vor Kriegsende die Rundfunkleitungen
zwischen Berlin, Hamburg und Osterloog immer häufiger
unterbrochen wurden, richteten die verantwortlichen Stellen in
der Verstärkerstelle Apen an der Bahnlinie Leer-Oldenburg
im Herbst 1944 ein provisorisches Studio
ein, das mit dem Näherrücken der Front Anfang
April 1945 nach Wilhelmshaven verlegt werden musste.
Von der Jadestadt aus strahlte Osterloog am 5. Mai
1945 laut Hans-Heinrich de Joung die letzte "Reichssendung"
aus, danach erhielt die Sendeanlage aus diesem Studio die Anweisung,
den Betrieb um 20:20 Uhr einzustellen und die Anlage abzuschalten.
Ein inzwischen auch in Osterloog eingerichtetes Studio
wurde nicht mehr eingesetzt. Anfang April hatte das deutsche
Militär sowohl bei den Funkstellen von Norddeich Radio
und Utlandshörn als auch in Osterloog rund 1000 kg Sprengstoff
gelagert, um die Stationen im "Ernstfall" zu vernichten,
schreibt der Norder Heinz Frömming (von 1975 bis 1981 Betriebsleiter
bei Norddeich Radio) in einer Dokumentation. Weil
jedoch die geballte Ladung wegen der ständigen
alliirten Tieffliegerangriffe eine ständige Gefahr für
das Personal bildete, wurde die Munition auf Drängen
der Betriebsleitung in das Lager Tidofeld transportiert, wo der Sprengstoff
nach Kriegsende durch die Unvorsichtigkeit einiger Soldaten
explodierte.
Als am 6. Mai zunächst Kanadische und
dann britische Truppen in das Norderland einrückten,
wurde auch Osterloog unverzüglich besetzt. Der
Sender schwieg jedoch nur einen Monat lang. Am
5. Juni nahm er den Betrieb wieder
auf, allerdings in einer total veränderten
Situation. Mit nach wie vor 100 Kilowatt
Leistung schickte er jetzt das Programm des englischen Soldatensenders
British Forces Network (BFN) in den Äther. Für
kurze Zeit erfolgten die Aussendungen zur
Betreuung der britischen Truppen über eine fahrbare
Studioanlage, die Anfang Juni in Osterloog eintraf. Ab Ende
Juli gab es eine feste Kabelverbindung zwischen den neuen BFN
Studios in der Hamburger Musikhalle und Osterloog. Allerdings
wurde im Verlauf des Jahres (laut de Joung und H. Brunswig,
Darmstadt) die Richtstrahlanlage bis auf einen 150 Meter
Mast und zwei 120 Meter Masten abgebaut; die übrigen
Masten wurden abtransportiert und anderweitig verwendet.
Das Gastspiel des Soldatensenders dauerte nicht lange. Am 15. September 1946 stellte der BFN seine Sendungen über Osterloog ein, und noch am gleichen Tag übernahm die Londoner BBC die Gebäude und die technischen Anlagen, um von nun an bis Anfang der fünfziger Jahre von der ostfriesischen Küste aus das BBC-Europa-Programm in mehreren Fremdsprachen auszustrahlen. Darunter befand sich auch der mehrmals täglich gesendete Deutschsprachige Dienst mit einem durchweg objektiven Nachrichtenangebot, Informationen, etwas Musik und dem Sprachkurs "Lernt Englisch im Londoner Rundfunk." Die während der Kriegszeit nach England gerichtete Antennenanlage wurde jetzt in Richtung Balkan abgestimmt. Zugleich wurden Modulations - und Fernsprechleitungen von London über Belgien nach Osterloog geschaltet und, um etwaige Störungen vorzubeugen, eine sogenannte Ballempfangsanlage in Utlandshörn eingerichtet. Das unüberhörbare Pausenzeichen haben viele Hörer von damals heute noch im Ohr. Die Betriebsleitung in Osterloog lag inzwischen wieder in deutschen Händen - unter Aufsicht der Engländer. Janssen erinnert sich auch an ein Betriebsfest,
das damals im Sendergebäude gefeiert wurde.
Auf dem grossen Flur im Obergeschoss waren
weissgedeckte Tische und Stühle für die
Betriebsangehörigen und ihre Partner
aufgestellt, und auf der frei gebliebenen Fläche
wurde eifrig getanzt. Die Musik kam von Tonbändern,
die der Chef besorgt oder selber bespielt hatte. Für
die Wiedergabe hatte er sich unter anderem einen hervorragenden
Verstärker und eine Schallwand mit mehreren Lautsprechern
gebaut. Als Chef amtierte damals Wilfried Voigt,
sein Nachfolger war Karl Kegel.
Obwohl die Londoner BBC die Osterlooger Anlage
bereits 1948 an den Nordwestdeutschen
Rundfunk (NWDR) übergab, zogen sich die
Vorbereitungen für die tatsächliche Übernahme
durch den NWDR bis zum Frühjahr
1950 hin. Die Umstellung erfolgte in der Nacht zum
15. März, und zwar nach der Einführung
des in Kopenhagen ausgehandelten Wellenplans
auf europäischer Ebene.
Osterloog vermittelte den Hörern in Ostfriesland
von nun an das in Hamburg, Köln und
Berlin in deutscher Regie produzierte Radioprogramm,
wenn es auch mit einer Leistung von nur 5 Kilowatt.
Dennoch wurde der Empfang des NWDR auf Mittelwelle in
einigen Teilen Ostfrieslands hörbar verbessert.
Wenige Monate später, am 1. August 1950, wurde in Osterloog
für den NWDR ein erster Kurzwellensender in Betrieb
genommen. Der dann folgende Ausbau des Kurzwellenbetriebes,
an dem auch Janssen massgeblich beteiligt wurde,
war die Basis für die ab Mai 1953 beginnende Ausstrahlung
des sowohl in deutscher als auch in mehreren Fremdsprachen zusammengestellten
Programms der neuen "Deutschen Welle" mit Sitz in Köln.
Und ab September 1951 kam - mit Hilfe einer sogenannten Doppelschlitzantenne
auf dem Mittelwellenmast - das zweite NWDR-Hörfunkprogramm
auf Ultrakurzwelle ("Die Welle der Freude") hinzu.
Parallel dazu kehrte allerdings auch die Londoner BBC
noch einmal zurück und strahlte mit 100 Kilowatt
auf Mittelwelle von Februar 1952 bis Ende März 1962
ihr Programm erneut aus. Osterloog war wieder ein Grossrundfunksender.
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"Telefunken" Rundstrahl Reusen Antenne für
das 41 / 49m Kurzwellenband.
Die Antenne war von 1950 - 1962 in Betrieb |
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"Telefunken" 20kW Kurzwellensender. In Betrieb
von 1950 - 1963
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Alfred Buck beschreibt die Kurzwellen-Epoche
der fünfziger Jahre in Osterloog so: "Die Betriebsbedingungen
waren damals fast abenteuerlich, man kann
sich das heute kaum noch vorstellen. Für die
Deutsche Welle wurden im Verlauf von 24 Stunden
viermal die Frequenzen und Antennenrichtungen gewechselt.
Besonders beliebt war die Umschaltung nachts
um 1:30 Uhr bei Regen oder Schnee. Durch Vereisungen konnten
beispielsweise die Klemmverbindungen dann nur schwer gelöst
werden. Die Antennenschalter waren im Freien aufgebaut. Überdachungen
gab es nicht."
Anfang der sechziger Jahre klang die Ära
des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Osterloog
aus. Der alte NWDR war inzwischen in den Norddeutschen (NDR)
und Westdeutschen Rundfunk (WDR) aufgeteilt worden. In Aurich
und damit günstig in der Mitte Ostfrieslands
stand nun ein neuer Sender, der fortan
alle NDR Programme und ab Mai 1961 - zunächst provisorisch
- auch das Fernsehen in den Äther schickte.
Im November 1962 wurde in Osterloog ein 120 Meter
hoher Rohrmast demontiert und nach Hamburg verfrachtet.
Am 6. März 1964 endete die Programmausstrahlung über
Mittelwelle. Der Kurzwellenbetrieb in Osterloog war ohnehin nur eine
Übergangslösung gewesen. Die "Deutsche Welle"
bekam eine neue Zentrale in Jülich. Ein Teil der Osterlooger
Mannschaft ging nach Aurich, darunter auch Alfred Buck,
ein anderer nach Jülich.
Zum 1. Juni 1964 erwarb die Bundespost das
Gelände und die Gebäude in Osterloog vom NDR sowie ein
angrenzendes Grundstück und nutzte den Standort
bis zur Funkstille - als Sendefunkstelle für den mittlerweile
100 Jahre alten Küstenfunk Norddeich Radio. Doch
das ist ein anderes Kapitel.
Quelle: Ostfriesischer Kurier, Norden (Joh. Haddinga) Fotos: Privatarchiv, Sender Osterloog (B. de Buhr) / Scan: Gerd Krause ![]() Aktuelle Version: 1.7.5 05/2010 Die Beschreibung nachstehender Großsender finden Sie auf der DVD-ROM Burg, Donebach, Gleiwitz, Goliath, Köpenick, Königs Wusterhausen, Zeesen, Mühlacker, Ismaning, Nauen, Osterloog, Wilsdruff (mit Video), Zehlendorf |