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Großrundfunksender
Osterloog
Ein
spannendes Kapitel Radiogeschichte
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![]() Langsam, aber mit einem unheimlich tönenden Heulen stürzte am 8. November 1997 um 11:07 Uhr, in Osterloog der 133 Meter hohe Sendefunkmast der Küstenfunkstelle Norddeich Radio zu Boden und grub sich fast einen Meter tief in das Erdreich ein. Die Abbruchfirma hatte ganze Arbeit geleistet. Bis zum Jahresende 1997 stellte Norddeich Radio den Betrieb an diesem Standort ein und konzentriert sich ganz auf neue Aufgaben in dem benachbarten Ort Utlandshörn. Das Gelände, die Gebäude und die noch verbliebenen kleineren Masten werden aufgegeben. Mit dem Sturz des mächtigen Turms in Osterloog endete zugleich für immer ein spannendes, ganz eigenständiges Kapitel Radiogeschichte in Ostfriesland, das zwei Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg begann. Der Ursprung führt
zurück in das Jahr 1937, wie der heute in
Aurich im Ruhstand lebende Diplomingenieur
Hans-Heinrich de Joung in einer kleinen
Dokumentation zur Geschichte des einstigen
Grossrundfunksenders schreibt. Im Auftrag des von
den Nationalsozialisten beherrschten Deutschen
Reiches erwarb die damalige Reichspost in
Osterloog ein rund 23 Hektar grosses, wenige
hundert Meter vom Nordseedeich entfernt gelegenes
Gelände für den Aufbau einer
gleichnamigen Sendefunkstelle. Ein Jahr
später wurde mit den Bauarbeiten für das
Hauptgebäude, den Quertrakt, das
Maschinenhaus und die Richtstrahlantennen
begonnen. Im Sommer 1939 waren die Arbeiten
beendet.
Der Sender hatte eine
Trägerleistung von 100
Kilowatt. Die gebündelte
Energie wurde in eine Richtantennenanlage
eingespeist, die auf Mittelengland
ausgerichtet war und nach Zeitzeugenberichten
von damals in einer
Stärke von 900 Kilowatt dort ankam
(später auch mit
Rundstrahlung betrieben). Die
Antennenanlage bestand laut
de Joung anfangs aus zwei über
Koaxialkabel gespeisten Masten
von 150 Metern Höhe sowie aus je vier 120
Meter hohen sogenannten Reflektoren und
Direktoren. Die Sendeeinrichtung war für den
Mittelwellenbereich von 400 bis 1060 Kilohertz
ausgelegt. Die Stromversorgung bestand
aus einer Umspannstation und einer
Netzersatzanlage mit einem Dieselmotor und
Generator.
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Netzersatzanlage mit
einem 960 PS Schiffs -
Dieselaggregat und einem 750 kVA Generator |
Antennen - Abstimmhaus
Im Hintergrund der Kühlturm
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Anfang Oktober 1939 übernahm
die Oberpostdirektion Oldenburg die
Einrichtungen in Osterloog und unterstellte sie
formell der einigen Kilometer
entfernten Küstenfunkstelle (Hauptstelle)
Norddeich-Radio. Unter der Bezeichnung "Studioanlage
der Versuchssendeanlage N" ("N" vermutlich für
Norddeich) begannen am 5. Oktober erste
Probesendungen. Es kann als sicher angenommen
werden, dass die Anlage in Osterloog von
Beginn an im Rahmen der deutschen
Kriegsvorbereitungen errichtet wurde.
Allerdings wurde damals und später auch
behauptet, dass der Sender ursprünglich
Werbesendungen eines in Grossbritannien
ansässigen Unternehmens nach England
ausstrahlen sollte.
Die Frage ist, ob diese Vermutung in Wirklichkeit nicht genau so ein Täuschungsmanöver war wie der Sendestart in Osterloog, der am 24. November 1939, rund drei Monate nach Beginn des von Deutscher Seite entfesselten Zweiten Weltkrieges, offiziell erfolgte. Der Sender an der Ostfriesischen Waterkant nahm seinen Betrieb unter dem Namen "Bremen" auf, um dem Gegner den tatsächlichen Standort aus Gründen der Tarnung zu verheimlichen. Nicht einmal die Hörer im unmittelbaren Umland wurden aufgeklärt. Ende Novenber 1939 erschien
im Ostfriesischen Kurier lediglich eine
kurze, verschlüsselte
Mitteilung, in der es hiess,
dass seit dem
24. November ein
"neuer Sender Bremen"
( gemeint war Osterloog) auf der Mittelwelle 395,8 Meter (vorher Kattowitz) zu empfangen sei. Der bisherige Sender Bremen (damals ein Nebensender des sogenannten Reichssenders Hamburg) habe deshalb seinen Namen geändert und sei in "Unterweser" umbenannt worden. Über Art und Inhalt der
über den so bezeichneten Grossrundfunksender
Osterloog ausgestrahlten Programme enthalten die
vorhandenen, sehr verstreuten Quellen leider einige
widersprüchliche Angaben. In einigen ist von
"deutschen Sendungen für ganz Nordwesteuropa", in
anderen von "deutschsprachigen", aber auch von
"ausschliesslich fremdsprachigen" Propaganda-Sendungen
die Rede. Die Wahrheit liegt liegt in der Mitte.
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Der 100 kW Mittelwellensender
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Der Senderraum mit Schaltpult
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Osterloog strahlte seit Herbst 1939 das deutschsprachige Programm des Reichssender Hamburg (ab 1940 das Einheitsprogramm aller deutschen Reichssender) aus - allerdings von Anfang an durchsetzt mit englischsprachigen Propaganda-Beiträgen an die Adresse des Kriegsgegners. Die Sender Hamburg und Köln hatten sie bereits seit März ins Programm aufgenommen. Es handelte sich vorwiegend um Nachrichten und Kommentarsendungen, die allerdings nicht in Hamburg, sondern in Berlin produziert und von dort nach Osterloog übermittelt wurden. Auf jeden Fall war Osterloog
(unter militärischer Bewachung mit
Flakschutz) während der ganzen Kriegszeit
auf England ausgerichtet und dort
gut zu empfangen. Doch auch in Ostfriesland
und angrenzenden Bereichen war der
Grossrundfunksender gut hörbar, im
unmittelbaren Umfeld sogar
übermässig.
Ein Norder Ohrenzeuge erinnerte sich später, dass die Feldstärke im Herbst 1939 alle anderen Sender auf den Rundfunkgeräten überdeckte und den Fernempfang nahezu unmöglich machte. Sie veränderte sich lediglich, wenn man an den Einstellknöpfen drehte. Zitat: "Bei uns in Norden reichte die Feldstärke des Senders für einen - wenn auch leisen - Lautsprecherempfang mit einem Detektorempfänger aus. Ich hatte später eine solche Kombination auf meinem Nachttisch stehen und hörte damit abends vor dem Einschlafen noch deutschsprachige und Musiksendungen. Auch der bis 1943 und nach dem Krieg in Osterloog tätige und heute in Kiel lebende frühere Sendetechniker Georg Martens erinnert sich, dass deutschsprachige Sendungen mit eingeblendeten englischsprachigen Propaganda-Beiträgen ausgestrahlt wurden. Aus Tarnungs- und anderen Gründen sei während des Krieges immer wieder die Sendefrequenz gewechselt worden. Man sei zum Beispiel häufig auf die Wellenlängen der fernen Sender Königsberg oder Breslau gegangen. Ausserdem wurde jede Stunde eine sogenannte Tastung eingeblendet, die den von Bombenangriffen aus England zurückkehrenden deutschen Flugzeugen als Orientierungshife diente. Und schliesslich sei Osterloog auch als Störsender gegen die Londoner BBC eingesetzt worden, indem man dieselbe Frequenz benutzte. In Upgant Schott befand sich eine entsprechende Empfangsstation. Ab März 1942 bildete Osterloog zusammen mit den Sendern Hamburg und Langenberg vorübergehend die Norddeutsche Gleichwelle, das heisst, diese drei Sender an unterschiedlichen Standorten strahlten auf der gleichen Welle das gleiche Programm aus, was in Überschneidungsgebieten die Empfangsqualität stark beeinträchtigte. Es bestand zu diesem Zeitpunkt weitgehend aus einem Einheitsprogramm aller deutschen Reichssender - nach dem Willen des Reichspropagandaministers Joseph Göbbels. Daneben gab es auf Langwelle den in Berlin / Königswusterhausen stationierten Deutschlandsender mit einem eigenen Programm. Ausschliesslich für das Ausland bestimmt war der bereits seit Anfang der dreissiger Jahre bestehende Deutsche Kurzwellensender mit vorwiegend fremdsprachigen Programmen. Ferner gab es unter dem Gesamtbegriff "Concordia" sogenannte "schwarze" Geheimsender an verschiedenen Standorten. Sie entfalteten ihre Aktivitäten auf stets wechselnden Wellenlängen und von fahrbaren Sendern aus |
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Dieser fahrbare,
überall einsetzbare Sender der früheren
deutschen Wehrmacht
- seit 1945 im Besitz der Engländer - wurde nach dem Krieg auch zeitweise in Osterloog eingesetzt. Die Anlage bestand aus mehreren Fahrzeugen Die Konzentration des
"Grossdeutschen Rundfunks" auf
deutschsprachige Einheitsprogramme im Inland
hatte unter anderem den Grund, den bei
den einzelnen Reichssendern vorhandenen
Mitarbeiterstab im Laufe des "totalen
Krieges" abzubauen und entweder an die Front zu
schicken oder für den Einsatz in den
schon vor Kriegsbeginn gebildeten
Propagandakompanien der Wehrmacht sowie im
Auslansfunk zu nutzen.
Was wurde den deutschen
Radiohörern im Einheitsprogramm
währed des Krieges geboten? Die
tägliche Zusammensetzung des Wortprogramms
richtete sich nach der Aktualität des
Kriegsgeschens. Das heisst: auf
langfristige Programmvorschauen war praktisch
kein Verlass. Das Musikangebot bestand
hauptsächlich aus leichten
Unterhaltungssendungen, volkstümlichen
Weisen, Opern und viel Marschmusik. Durch die
Einblendung von täglich
bis zu sieben fremdsprachigen
Nachrichtensendungen in die
Programme der Reichssender wurde die
Geduld der Hörer ziemlich
strapaziert. Das heisst: Osterloog war
nicht der einzige Sender, der
das deutschsprachige Programm durch fremdsprachige (in
diesem Falle englische) Nachrichtenblöcke
unterbrach. Der Reichssender
Frankfurt, Stuttgart und Saarbrücken
brachten am 20. August 1939 zweimal abends auf
Mittelwelle Meldungen in französischer
Sprache.
In den folgenden Jahren wurden
die Fremsprachigen Programme über
Mittelwelle (Reichssender) und über den deutschen
Kurzwellensender immer stärker
ausgebaut, teilweise sogar auf Kosten des
Inlandfunks. Aus Gründen der Unterscheidung
erhielt der weltweit ausstrahlende Kurzwellensender ab
Anfang 1943 die Bezeichnung "Die
deutschen Überseesender". Die für die
Propaganda im europäischen Bereich
tätigen Sender trugen bereits
seit April 1941 den Namen "Deutsche
Europasender". Auch der Sender "Bremen"
(sprich Osterloog) nannte sich deshalb fortan
Europasender.
Beim verstärkten Einflug
englischer und amerikanischer
Bomberverbände in das deutsche Reichsgebiet
wurden den Rundfunksendern - je nach ihrer
geographischen Lage - aus "luftschutztechnischen
Erwägungen" der Wehrmacht sehr häufig
längere Sendepausen verordnet. Manche
Strahlungsanlagen stellten in den
Abendstunden und Nachts ihren Betrieb ganz ein.
In einer offiziellen Ankündigung des
Einheitsprogramms des "Grossdeutschen Rundfunks" hiess
es im Juni 1940: "Zuweilen spricht unser
Ortssender in einer fremden Sprache, in den
Abendstunden verstummt er und verweist uns auf
andere Sender die ihre Sendung fortsetzen;
denn aus Gründen der
Reichsverteidigung werden einige Sender mit
Einbruch der Dunkelheit abgeschaltet."
1940 wurde Osterloog um einen
zweiten Sender (genannt "Bremen 2") erweitert, wie
Lilian-Dorette Rimmele in ihrer Dokumentation
"Der Rundfunk in Norddeutschland 1933-1945"
schreibt. Damit wurden offensichtlich die
technischen Möglichkeiten
erheblich erweitert, um die Sendeanlage an der
ostfriesischen Küste aufgrund ihrer
Stärke und Reichweite noch effectiver und
variabler im europäischen
Ätherkrieg jener Jahre einzusetzen.
Nach dem Verlust der von Deutschen besetzten Sender
in Holland, Belgien und Nordfrankreich wurde die
Auslandspropaganda ab Herbst 1944
über Osterloog noch verstärkt.
Erst später wurde bekannt, dass das
von hier in Richtung England ausgestrahlte
Programm zu den wirkungsvollsten Propagandawaffen der
deutschen Seite zählte. Umgekehrt gelang es
allerdings auch der Londoner British
Braodcasting Corporation (BBC), mit ihrem
deutschsprachigen Dienst von England aus immer mehr
Hörer in Deutschland zu
erreichen, obwohl das Abhören ausländischer
Sender schon seit Kriegsbeginn verboten war und
mit Zuchthaus oder Konzentrationslager bestraft wurde.
Die über Osterloog (Bremen)
ausgestrahlten englischsprachigen
Nachrichtensendungen, denen häufig ein Kommentar
folgte, wurden laut Rimmele in
Berlin auf Band gesprochen und dann
zur Sendung verschickt. Zu besonderen
Anlässen gab es auch
Direktübertragungen. Die jeweilige Ansage
ist vielen Hörern von damals noch
im Ohr: - "Germany calling!
Here are the Reichssender Hamburg, station
Bremen".
Zum "Inbegriff" des deutschen
Ätherkrieges gegen England wurde William
Joyce, ein gebürtiger Amerikaner, der in
England aufgewachsen und der
dortigen Faschistenpartei beigetreten war.
Seine Stimme und sein näselndes Englisch waren
unverwechselbar. Der Londoner Daily
Express bezeichnete seine Sprache als
"haw-haw", und so wurde aus William Joyce
schliesslich der "Lord Haw-Haw", dessen
Beiträge nach vorliegenden Quellen täglich
"von Millionen Engländern" gehört
wurden und sogar im Parlament häufig zur Sprache
kamen. In den ersten Kriegsjahren nutzte
Joyce die Unzufriedenheit vieler Arbeitnehmer mit der
Regierung. Der britische Rundfunk
BBC sah sich sogar veranlasst, einen
Ausschuss einzusetzen, um zu untersuchen, wie
"gross die Gefahr der Sendungen dieses Mannes"
sei und was man dagegen zun
könne. Kurz nach dem Kriege wurde Joyce von den
Engländern aufgegriffen und zum Tode verurteilt.
![]() Der 100kW Telefunken-Sender in der damals üblichen offenen Bauweise Als einige Monate vor Kriegsende
die Rundfunkleitungen zwischen Berlin,
Hamburg und Osterloog immer häufiger unterbrochen
wurden, richteten die verantwortlichen Stellen
in der Verstärkerstelle Apen an
der Bahnlinie Leer-Oldenburg im Herbst
1944 ein provisorisches Studio ein,
das mit dem Näherrücken der Front
Anfang April 1945 nach Wilhelmshaven
verlegt werden musste. Von der Jadestadt
aus strahlte Osterloog am 5. Mai
1945 laut Hans-Heinrich de Joung die letzte
"Reichssendung" aus, danach erhielt die
Sendeanlage aus diesem Studio die Anweisung, den
Betrieb um 20:20 Uhr einzustellen und die Anlage
abzuschalten. Ein inzwischen auch in Osterloog
eingerichtetes Studio wurde nicht mehr
eingesetzt. Anfang April hatte das deutsche
Militär sowohl bei den Funkstellen von
Norddeich Radio und Utlandshörn als auch in
Osterloog rund 1000 kg Sprengstoff
gelagert, um die Stationen im "Ernstfall"
zu vernichten, schreibt der Norder Heinz Frömming
(von 1975 bis 1981 Betriebsleiter bei
Norddeich Radio) in einer Dokumentation.
Weil jedoch die geballte Ladung wegen der
ständigen alliirten Tieffliegerangriffe
eine ständige Gefahr für das Personal
bildete, wurde die Munition auf
Drängen der Betriebsleitung in das Lager Tidofeld
transportiert, wo der Sprengstoff nach Kriegsende
durch die Unvorsichtigkeit einiger Soldaten
explodierte.
Als am 6. Mai zunächst
Kanadische und dann britische Truppen in
das Norderland einrückten, wurde auch
Osterloog unverzüglich besetzt.
Der Sender schwieg jedoch nur einen
Monat lang. Am 5. Juni nahm
er den Betrieb wieder auf, allerdings in
einer total veränderten
Situation. Mit nach wie vor
100 Kilowatt Leistung schickte er
jetzt das Programm des englischen
Soldatensenders British Forces Network
(BFN) in den Äther. Für kurze Zeit
erfolgten die Aussendungen zur Betreuung der
britischen Truppen über eine
fahrbare Studioanlage, die Anfang Juni in
Osterloog eintraf. Ab Ende Juli gab es eine
feste Kabelverbindung zwischen den neuen BFN
Studios in der Hamburger Musikhalle und
Osterloog. Allerdings wurde im Verlauf des
Jahres (laut de Joung und H. Brunswig,
Darmstadt) die Richtstrahlanlage bis auf
einen 150 Meter Mast und zwei 120 Meter Masten
abgebaut; die übrigen Masten wurden
abtransportiert und anderweitig verwendet.
Das Gastspiel des Soldatensenders dauerte nicht lange. Am 15. September 1946 stellte der BFN seine Sendungen über Osterloog ein, und noch am gleichen Tag übernahm die Londoner BBC die Gebäude und die technischen Anlagen, um von nun an bis Anfang der fünfziger Jahre von der ostfriesischen Küste aus das BBC-Europa-Programm in mehreren Fremdsprachen auszustrahlen. Darunter befand sich auch der mehrmals täglich gesendete Deutschsprachige Dienst mit einem durchweg objektiven Nachrichtenangebot, Informationen, etwas Musik und dem Sprachkurs "Lernt Englisch im Londoner Rundfunk." Die während der Kriegszeit nach England gerichtete Antennenanlage wurde jetzt in Richtung Balkan abgestimmt. Zugleich wurden Modulations - und Fernsprechleitungen von London über Belgien nach Osterloog geschaltet und, um etwaige Störungen vorzubeugen, eine sogenannte Ballempfangsanlage in Utlandshörn eingerichtet. Das unüberhörbare Pausenzeichen haben viele Hörer von damals heute noch im Ohr. Die Betriebsleitung in Osterloog lag inzwischen wieder in deutschen Händen - unter Aufsicht der Engländer. Janssen erinnert sich auch an ein
Betriebsfest, das damals im
Sendergebäude gefeiert wurde. Auf dem grossen
Flur im Obergeschoss waren
weissgedeckte Tische und Stühle
für die Betriebsangehörigen und
ihre Partner aufgestellt, und auf der
frei gebliebenen Fläche wurde eifrig
getanzt. Die Musik kam von
Tonbändern, die der Chef
besorgt oder selber bespielt hatte.
Für die Wiedergabe hatte er sich
unter anderem einen hervorragenden
Verstärker und eine Schallwand mit mehreren
Lautsprechern gebaut. Als
Chef amtierte damals Wilfried Voigt, sein
Nachfolger war Karl Kegel.
Obwohl die Londoner BBC die
Osterlooger Anlage bereits 1948 an
den Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR)
übergab, zogen sich die Vorbereitungen
für die tatsächliche
Übernahme durch den NWDR bis
zum Frühjahr 1950 hin. Die
Umstellung erfolgte in der Nacht
zum 15. März, und zwar nach der
Einführung des in Kopenhagen
ausgehandelten Wellenplans auf
europäischer Ebene.
Osterloog vermittelte den
Hörern in Ostfriesland von nun
an das in Hamburg, Köln und Berlin in
deutscher Regie produzierte
Radioprogramm, wenn es auch mit einer
Leistung von nur 5 Kilowatt.
Dennoch wurde der Empfang des NWDR auf
Mittelwelle in einigen Teilen Ostfrieslands
hörbar verbessert. Wenige Monate
später, am 1. August 1950, wurde in Osterloog
für den NWDR ein erster Kurzwellensender in
Betrieb genommen. Der dann folgende Ausbau des
Kurzwellenbetriebes, an dem auch Janssen
massgeblich beteiligt wurde, war die Basis
für die ab Mai 1953 beginnende Ausstrahlung
des sowohl in deutscher als auch in mehreren
Fremdsprachen zusammengestellten Programms der
neuen "Deutschen Welle" mit Sitz in Köln.
Und ab September 1951 kam - mit Hilfe einer
sogenannten Doppelschlitzantenne auf dem
Mittelwellenmast - das zweite
NWDR-Hörfunkprogramm auf Ultrakurzwelle
("Die Welle der Freude") hinzu. Parallel
dazu kehrte allerdings auch die Londoner
BBC noch einmal zurück und strahlte
mit 100 Kilowatt auf Mittelwelle von
Februar 1952 bis Ende März 1962 ihr
Programm erneut aus. Osterloog war wieder ein
Grossrundfunksender.
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"Telefunken" Rundstrahl Reusen
Antenne für das 41 / 49m Kurzwellenband.
Die Antenne war von 1950 - 1962 in Betrieb |
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Der 20kW
Telefunken-Kurzwellensender. In Betrieb von 1950 -
1963
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| Alfred Buck beschreibt die
Kurzwellen-Epoche der fünfziger Jahre in
Osterloog so: "Die Betriebsbedingungen waren damals
fast abenteuerlich, man kann sich
das heute kaum noch vorstellen. Für
die Deutsche Welle wurden im Verlauf von
24 Stunden viermal die Frequenzen und
Antennenrichtungen gewechselt.
Besonders beliebt war die
Umschaltung nachts um 1:30 Uhr bei Regen oder
Schnee. Durch Vereisungen konnten beispielsweise die
Klemmverbindungen dann nur schwer gelöst
werden. Die Antennenschalter waren im Freien
aufgebaut. Überdachungen gab es
nicht."
Anfang der sechziger Jahre klang
die Ära des öffentlich-rechtlichen
Rundfunks in Osterloog aus. Der alte NWDR war
inzwischen in den Norddeutschen (NDR) und
Westdeutschen Rundfunk (WDR) aufgeteilt worden. In
Aurich und damit günstig in der Mitte
Ostfrieslands stand nun ein neuer
Sender, der fortan alle NDR Programme
und ab Mai 1961 - zunächst provisorisch
- auch das Fernsehen in den
Äther schickte. Im November 1962
wurde in Osterloog ein 120 Meter hoher
Rohrmast demontiert und nach Hamburg
verfrachtet. Am 6. März 1964 endete die
Programmausstrahlung über Mittelwelle.
Der Kurzwellenbetrieb in Osterloog war ohnehin nur
eine Übergangslösung gewesen. Die
"Deutsche Welle" bekam eine neue Zentrale in
Jülich. Ein Teil der Osterlooger Mannschaft
ging nach Aurich, darunter auch Alfred Buck,
ein anderer nach Jülich.
Zum 1. Juni 1964 erwarb die
Bundespost das Gelände und die Gebäude in
Osterloog vom NDR sowie ein angrenzendes
Grundstück und nutzte den Standort
bis zur Funkstille - als Sendefunkstelle für
den mittlerweile 100 Jahre alten
Küstenfunk Norddeich-Radio. Doch das ist
ein anderes Kapitel.
Nachdem die Küstenfunkstelle Norddeich-Radio im Dezember 1998 geschlossen wurde, stand das Sendergebäude etliche Jahre leer. Im Jahre 2005 wurde es zu einer der Informationseinrichtungen des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer umgebaut und im Juni 2006 eröffnet. Die Einrichtung nennt sich „Waloseum", deren Aufgabe darin besteht, die Öffentlichkeit über die Bedeutung des Nationalparks und die Schutzbestimmungen zu informieren. Das Ziel ist es, Menschen durch geführte Naturerlebnisse das Wattenmeer näher zu bringen und sie für seine Schutzwürdigkeit zu sensibilisieren. Ein wichtiger Arbeitsschwerpunkt ist die Information über Meeressäuger im Wattenmeer. Das Äussere des Sendergebäudes blieb unverändert, jedoch alles andere was an eine Großsendeanlage erinnert, existiert nicht mehr. Quelle:
Ostfriesischer Kurier, Norden (Joh. Haddinga)
Fotos: Privatarchiv, Sender Osterloog (B. de Buhr) / Scan: Gerd Krause ![]() Aktuelle Version: 1.8.0 01/2012 Die Beschreibungen zahlreicher Großsender finden Sie auf der Multimedia DVD-ROM U.a. Burg, Donebach, Gleiwitz, Goliath, Köpenick, Königs Wusterhausen, Zeesen, Wien Mühlacker, Ismaning, Nauen, Osterloog, Wilsdruff (mit Video) u. Zehlendorf |